Always look on the bright side of life…

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Wenn ich eines von Monty Python gelernt habe, dann ist es, immer das Positive im Leben zu sehen. Na klar, wer mich kennt weiß, dass auch ich mich manchmal sehr gerne aufrege und in Dinge reinsteigere. Da bin ich besonders gut drin. Aber seitdem ich krank bin habe ich gelernt, dass es schlichtweg keinen Sinn macht, sich über Dinge aufzuregen oder zu sorgen, die man eh nicht beeinflussen kann. Viel eher sollte man sich auf positive Sachen konzentrieren.

So habe ich tatsächlich auch geschafft, der Krankheit und der Chemo etwas Gutes abzugewinnen. Wenn man Dinge akzeptiert, lernt man irgendwann sie zu lieben. Naja, lieben ist vielleicht eeetwas übertrieben. Aber ich komm zumindest ganz gut damit klar und manche Dinge sind echt super.

Fangen wir mit den Haaren an. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es einfach war meine Haare zu verlieren (aber dazu später mehr in einem anderen Post). Was ich vorher allerdings nicht bedacht habe: Haarausfall bei der Chemo bedeutet Haarausfall am GANZEN Körper. Sprich: Rasieren wird überflüssig. BEST. THING. EVER. Gerade im Sommer. Außerdem ist die kühle Brise am Kopf manchmal auch ziemlich geil. Wie habe ich es immer gehasst, im Sommer mit den langen Haaren rumzulaufen. Problem gelöst. Und ich brauche auch nicht mehr so viel Zeit beim Duschen. Kann man sich dran gewöhnen. On top of that hatte ich immer super dünnes Haar und bei den meisten Menschen kommt es nach der Chemo stärker und dicker zurück als je zuvor. Manchmal sogar in einer anderen Haarfarbe oder mit Locken. Ich hoffe also Ihr seid bereit für meinen roten Afro. ;-D

Aber es gibt noch mehr gute Dinge. Das ganze Wasser das ich trinken muss, lässt meine Haut super rein werden. Den Turban, den ich meistens trage, finde ich ziemlich stylish und nach hunderten Youtube-Tutorials kann ich ihn sogar ohne Spiegel wickeln. Auf Bildern mag ich mich damit teilweise noch mehr, als mit meinen Haaren. Humortechnisch gibt mir die Krankheit einen Freifahrtschein für Kranken-Witze und schwarzen Humor. Ich habe gelernt mir selber Spritzen zu geben, obwohl ich die Teile hasse. Und was Make-Up angeht (vorallem Augenbrauen) habe ich eine Menge gelernt.

Die anderen positiven Aspekte sind etwas tiefgründiger. Erstmal geht es viel um Stolz. Ich bin stolz auf mich selber, dass ich das alles so gut mitmache. Niemals hätte ich mich für so stark gehalten und letzten Endes merkt man seine eigene Stärke erst dann, wenn das Leben es drauf ankommen lässt und einen testet. Ich bin stolz auf mich, dass ich positiv bleibe. Ich bin stolz auf mich, dass mir Äußerlichkeiten wie Haare mittlerweile egal sind. Die Krankheit lässt mich viele Dinge in einem anderen Licht sehen und lehrt mich auch einiges über mich selbst. Endlich merkt man, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Alles andere wird zweitrangig und man konzentriert sich auf die Dinge, auf die man sich schon die ganze Zeit hätte konzentrieren sollen.

Und wer hätte das gedacht: Krebs ist ein Idioten-Detektor. Das ist vermutlich das Beste an der ganzen Sache. Wenn Leute Angst haben Dich zu verlieren (so richtige Um-Leben-Und-Tod-Angst), dann werden sie es Dich spüren lassen. Und wenn Eure „Freundschaft“ nur oberflächlich war, wirst Du es spätestens jetzt merken. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich seit meiner Erkrankung weiß, wer meine richtigen Freunde sind und wer nur in guten Zeiten an meiner Seite steht. Lieber habe ich nur eine Handvoll Menschen die an meinem Krankenhausbett sitzen, mit mir lachen und weinen und regelmäßig anrufen oder schreiben um sicher zu gehen, dass es mir gut geht, als zwanzig Idioten die mich bei all dem alleine lassen und sich wieder melden, wenn ich gesund bin. Meine langjährigen Freunde und ich sind teilweise noch enger zusammen gewachsen als eh schon. Und manche die ich fälschlicherweise für nicht ganz so enge Freunde hielt, standen plötzlich weinend vor mir und sind mir jetzt bessere Freunde denn je. Und dafür werde ich ihnen ewig dankbar sein. Alle anderen wiederum, die sich (seit sie von der Krankheit erfahren haben) fast gar nicht mehr melden, können mir gestohlen bleiben. Natürlich werde ich niemanden ignorieren oder verurteilen, aber es zeugt einfach von einem wahnsinnig schlechten Charakter, wenn man sich in Luft auflöst, sobald eine Person nicht mehr 24/7 Friede-Freude-Eierkuchen anbieten kann. Zum Glück weiß ich jetzt, wem ich wichtig bin und wer nur an sich selber denkt. Und das ist unbezahlbar.

 

„Some things in life are bad they can really make you mad
Other things just make you swear and curse
When you’re chewing on life’s gristle, don’t grumble give a whistle
And this’ll help things turn out for the best

And always look on the bright side of life“
– Monty Python, 1979

 

Peace und #fuckcancer,

Eva

 

P.S.: Kurzes Life-Update

Mittlerweile bin ich mit vier von sechs Chemos fertig. An den Tagen der Chemo bin ich immer ziemlich müde und angeschlagen, an allen anderen Tagen geht es mir aber super (wenn die 30 Grad draußen mich nicht die ganze Zeit fertig machen würden). Leider lässt die Chemo meine Blutwerte sinken und mein Immunsystem ist regelmäßig im Keller. Die Spritzen die ich mir zur Stärkung der weißen Blutkörperchen geben muss verursachen ziemliche Rückenschmerzen, weshalb ich aktuell regelmäßig auf Drogen aka. Schmerzmitteln bin. Wenn das allerdings die einzige Nebenwirkung bleibt, kann ich damit leben. Ist ja auch nicht für immer. Bei einem PET CT vor ein paar Wochen konnte man erkennen, dass das Tumorgewebe weitestgehend nekrotisch ist. Das heißt der Tumor stirbt ab und ist an diesen Stellen nicht mehr aktiv. Nächste Woche geht es dann hoffentlich mit Chemo Nr. 5 weiter, vorausgesetzt meine Blutwerte lassen es zu. 🙂

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Andrea sagt:

    Toll,dass du so weise bist.Alles Liebe weiterhin!
    Andrea

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