A Very Special Day

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Heute ist ein besonderer Tag. Schwierig es in Worte zu fassen, aber der heutige Tag ist beinahe ein zweiter Geburtstag für mich. Nennen wir ihn den Tag, an dem mir die Augen geöffnet wurden.

Ich glaube viele Menschen warten ihr ganzes Leben lang vergebens auf diesen einen Moment, diesen einen Denkanstoß, der die eigene Sichtweise für immer um 180 Grad wendet.

03. Mai 2018. An diesem Tag habe ich die alles entscheidende Aussage bekommen. Nicht, dass ich Krebs habe. Nicht, dass es wahrscheinlich nicht gut aussieht. Nein, die erste Aussage war: „Entweder wir kriegen die obere Einflussstauung in den nächsten drei Tagen unter Kontrolle oder Sie werden einen Hirnschlag erleiden.

Drei. Tage.

03. Mai 2018.
04. Mai 2018.
05. Mai 2018.

An den Rest des Tages kann ich mich nicht erinnern. Mein Kopf hat an irgendeinem Punkt ausgeschaltet, was mir später als Selbstschutzmechanismus erklärt wurde, um ein mögliches Trauma zu verhindern. An dieser Stelle danke an mein Hirn. Ohne dich hätte ich das nicht geschafft. (*Oscarrede over*).

Doch auch wenn ich mich nicht mehr an vieles von diesem Tag erinnern kann, weiß ich, dass ab dem Moment an alles anders war. Man spult die letzten Jahre in ultra highspeed durch und sucht nach Dingen die man bereut. Den Fehlern in der Matrix. Man sieht plötzlich Chancen die man nicht genutzt hat grell und rot aufleuchten. Sachen die man aufgeschoben hat hinterlassen plötzlich ein ekelhaftes Gefühl von Trauer. Der Gedanke all diese Dinge nie mehr erleben zu können schnürt einem regelrecht die Kehle zu und man will einfach nur sofort raus und loslegen. Verschenktes Potential hinterlässt ein unangenehmes Gefühl im Bauch. Wie Steine.

Und in diesem Moment muss ich wohl beschlossen haben, dass ich diese Gedanken nie wieder haben möchte.
Am Tag nach meiner Diagnose postete ich folgendes:

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Und seitdem ist kaum ein Tag vergangen, ohne dass ich glücklich, erfüllt und mit positiven Gedanken in den Tag gestartet bin. Und dafür bin ich fucking dankbar.

Hand auf’s Herz. Wie oft stehen wir auf und jammern über das Wetter, den Job, Probleme in der Familie, mit den Freunden oder dem Partner. Ziehen uns selber runter und der Tag ist gelaufen.

Gibt es nicht mehr!!! Ihr denkt jetzt so: „Ja klar, wie denn bitte?“.

Echt easy. Wenn dich was stört, ändere es! Tu was dagegen und schau nicht nur hilflos zu!
Klar, das Wetter kann man schlecht beeinflussen. Aber ich hab gelernt, dass es eh nichts bringt sich über Dinge aufzuregen, die man nicht beeinflussen kann. Alles andere liegt in meiner Hand. Wenn mich etwas stört, ändere ich es. Wenn ich ein Problem habe, suche ich Lösungen. In zwischenmenschlichen Beziehungen bin ich viel kommunikativer geworden. Ich frage, ich rede, ich höre zu. Ich schlucke nichts mehr einfach so runter. Dinge die mich beschäftigen, werden aus der Welt geschafft. Und selbst wenn es mal nicht klappt, weiß ich, dass ich es zumindest versucht habe. Dieses „was wäre wenn“ steht nicht mehr im Raum.
Selbst jetzt in Zeiten von Corona versuche ich das Beste aus der Situation zu machen. Ich habe so gut wie keine Jobs bis September. Island wurde zum zweiten Mal abgesagt. Aber zu Hause rumsitzen und faul sein? Kommt gar nicht in Frage!

Und die ganze Zeit frage ich mich, warum ich das nicht immer getan habe. Und ich sehe so viele Leute um mich herum die es einfach nicht hinbekommen. Und sich selbst jeden Tag ein Stück mehr gehen lassen. Nicht das bestmögliche aus sich rausholen. Das Training ausfallen lassen, über alles jammern, sich nicht um sich selber kümmern, das Lernen, die Masterarbeit oder Papierkram aufschieben, sich jegliche Scheiße gefallen lassen oder sich unfair behandeln lassen.

Manchmal erwische ich mich auch dabei in alte Muster zurückfallen zu wollen, aber ich habe gelernt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Den oft unbequemeren Weg zu gehen und Risiken zu wagen.

Die letzten zwei Jahre waren die besten Jahre meines Lebens. Gott verdammt waren die geil!!! Alle (und wenn ich alle sage, meine ich wirklich ALLE) meine Ziele und Träume haben sich erfüllt. Weil ich unfassbar hart dafür gearbeitet habe. Ich habe kaum geschlafen, war kaum zu Hause, hatte Augenringe des Todes. Aber fuck war ich glücklich. Die Jobs die ich wollte. Die Auszeichnungen die ich wollte. So erfolgreich im Job wie nie zuvor. Eine der Top 260 Sport Fotografen bei Red Bull Illume (aus 60k!!). Meine Mädels von Team Legit zum Westdeutschen Meister gemacht. Bessere Freundschaften denn je. Meine Traumwohnung. Endlich mein eigener Hund. Gefühlt die halbe Welt bereist. Den besten Sommer meines Lebens erlebt. Jedes Wochenende feiern gewesen. Gelacht, geliebt, gelebt. Und vorallem keine Scheiße mehr gefallen lassen. Einfach nur pures Glück und Erfolg erlebt. Weil ich es wollte.

Und ich will es immer noch. Ihr findet mich bestimmt mit 60 noch samstags im Bonnie Blitz mit Juli abshaken. I don’t care anymore. Ich meine, hallo, ich laufe seit zwei Jahren mit einem Buzzcut rum!? (Ganz schön sexy, hm? :D) Und selbst wenn nicht, scheiß drauf. Aber seh ich aus als würde mich das interessieren? 😀 Wenn man macht was man will und es auch noch funktioniert… glaubt mir, das ist der Egoboost des Jahrtausends. Und mir ist mittlerweile eine Sache besonders wichtig: Mir ist unfassbar egal, was andere Leute über mich denken, solange ich mit mir im reinen bin und weiß, dass ich jeden Tag mein Bestes gegeben habe. Und dass ich glücklich bin.

Vielleicht braucht man wirklich diese Nahtoderfahrung um es zu 100% verstehen zu können, aber versucht es Euch auszumalen.
Drei. Tage.

03. Mai 2020.
04. Mai 2020.
05. Mai 2020.

Dann seid ihr tot.

Was würdet Ihr jetzt sofort ändern?
Was würdet Ihr jetzt sofort bereuen?
Was würdet Ihr jetzt sofort machen?
Und was hat Euch bislang aufgehalten?

Heute ist der 03. Mai 2020 und vor genau zwei Jahren hätte ich so gerne gewusst, dass ich diesen Tag gesund, glücklich und vorallem krebsfrei erleben würde. Aber vielleicht war es besser, dass ich es nicht wusste.
Denn so hab ich gelernt zu kämpfen, für das was mir wichtig ist.

Mein Leben und mein Glück.

Peace & #fuckcancer,

Eva

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